Polyzystisches Ovarialsyndrom: Entlastung für die Eierstöcke mit TCM

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) betrifft 5-10 % der Frauen im gebärfähigen Alter und ist somit die häufigste hormonelle Störung in dieser Gruppe. Es tritt normalerweise zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf und kann familiär gehäuft vorkommen, obwohl seine Ursache unbekannt ist.

Eine verminderte Aktivität der Granulosazellen in den Eierstöcke, zusammen mit einem Mangel an FSH (follikelstimulierendes Hormon) und einem Überschuss an LH (luteinisierendes Hormon), wird als möglicher Auslöser vermutet.

Nach den Rotterdam-Kriterien von 2003 müssen mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sein, um eine Diagnose zu stellen:

  • chronische Anovulation (Oligo- oder Amenorrhoe)
  • polyzystische Ovarien (erkennbar durch Sonografie)
  • Hyperandrogenismus

Bei Verdacht auf PCOS sollten insbesondere androgenbildende Tumoren, das adrenogenitale Syndrom, Morbus Cushing sowie andere hormonelle Anomalien wie Hypothyreose und Nebenwirkungen medikamentöser Hormontherapien ausgeschlossen werden.

Die Hypophyse produziert unter anderem LH und FSH. Wenn es – vor allem aufgrund einer gestörten Funktion der Hypophysen-Ovarien-Achse oder einer unzureichenden GnRH-Freisetzung – zu viel LH gibt, produzieren die Eierstöcke vermehrt Androgene und Östrogene.

Frauen mit PCOS klagen häufig über Haarausfall und männliche Behaarung (Hirsutismus) an Oberlippe, Nacken, Beinen und Rücken. Zusätzlich treten oft Akne im Gesicht sowie eine eher maskuline Körperform auf.

Die Betroffenen leiden jedoch nicht nur unter ihrem Aussehen, sondern auch unter einer unregelmäßigen oder ausbleibenden Menstruation: Oligomenorrhoe bezeichnet weniger als neun Zyklusblutungen pro Jahr; (sekundäre) Amenorrhoe liegt vor, wenn die letzte Periode länger als drei Monate zurückliegt.

Die meisten Frauen haben im Laufe ihres Lebens den Wunsch nach Kindern. Bei PCOS steht diesem Wunsch in der Regel ein fehlender Eisprung entgegen. Ohne Reifung des Follikels im Eierstock und Eisprung ist natürliche Empfängnis nicht möglich – dies hat entscheidende Auswirkungen auf Familienplanung.

Trotz hormoneller Regulierung kommt es häufig zu keinem Eisprung. Neben den körperlichen Symptomen bedeutet das auch eine starke psychische Belastung für die Betroffenen. Schlafstörungen, Reizbarkeit und Depression können die Folge sein. Darüber hinaus entwickeln betroffene Frauen oft Insulinresistenz, deren Ursachen noch unbekannt sind. Es wurde jedoch festgestellt, dass bei PCOS eine Veränderung des Stoffwechsels vorliegt, welche diese Anomalie begünstigt.

PCOS wird zwar oft mit Übergewicht in Verbindung gebracht, tritt jedoch bei Frauen mit den unterschiedlichsten Profilen auf. Einige haben mit Insulinresistenz und Adipositas zu kämpfen, während andere sehr schlank sind und Schwierigkeiten haben, Gewicht zuzulegen oder übermäßigen Sport zu vermeiden.

Therapie in der westlichen Medizin

In der westlichen Medizin werden zur Therapie von PCOS oft hormonelle Fertilisationsbehandlungen eingesetzt – allerdings mit unsicherem Ausgang. Wenn kein Kinderwunsch besteht, können Ärzte häufig Ovulationshemmer und Glukokortikoide verschreiben. Die medizinische Behandlung gestaltet sich jedoch langwierig und ist nur begrenzt erfolgreich: Viele Betroffene haben bereits eine Odyssee an Fertilisationsversuchen hinter sich.

 

Stagnation und Mangel: Ursachen aus Sicht der TCM

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) behandelt nicht direkt das PCOS selbst, sondern die damit verbundenen Zustände wie Nieren-Yang-Mangel, Milz-Qi-Mangel, Leber-Yin-Mangel sowie Leber-Qi-Stagnation oder Blutstagnation aufgrund eines Nieren-Yin-Mangels. Aus Sicht der TCM hängt das Ausbleiben der Eizellreifung mit einem Mangel an Nieren-Yang zusammen: Die Nierenessenz reicht nicht aus für den Eisprung.

Frauen mit PCOS leiden häufig unter Übergewicht, sowie einseitiger Ernährungsweise und Lebensgewohnheiten wie dem Verzehr von zu vielen Kohlenhydraten bzw. Zucker- Dies schädigt das Milz-Qi. Dadurch kann die Milz Flüssigkeiten im Körper nicht mehr ordnungsgemäß verteilen, was dazu führt, dass sich Flüssigkeit in den Eierstöcken ansammelt. Gynäkologen können häufig minimale Flüssigkeitsansammlungen um die Follikel herum im Ultraschall feststellen.

Eine kohlenhydratreiche Ernährung führt zu ständig erhöhtem Blutzuckerspiegel sowie Dyslipidämie, Übergewicht und hohem Blutdruck. Adipöse Patientinnen entwickeln vermehrt Insulinresistenz.

Emotion: der Stress beim schwanger werden

Die emotionale Unterstützung der betroffenen Frauen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Behandlung von PCOS. Sie leiden oft unter sichtbaren Symptomen wie Akne, maskuliner Erscheinung oder übermäßiger Behaarung. Der psychische Druck steigt mit jedem Zyklus des unerfüllten Kinderwunsches.

Oft warten Betroffene jahrelang auf eine regelmäßige Periode oder Schwangerschaft. Die daraus resultierende angespannte bis depressive Grundstimmung kann auch die Therapietreue beeinflussen.

Hier ist Feingefühl gefragt – ebenso wie klare Informationen darüber, dass die Behandlung ein Jahr oder länger dauern kann. Viele meiner Patientinnen sind jung; das Durchschnittsalter liegt bei 33 Jahren. Meiner Meinung nach suchen Frauen viel zu schnell Hilfe in Kinderwunschzentren: Dies kann zusätzlichen Druck erzeugen.

Zusammenfassend wäre es für PCOS-Patientinnen eine große Bereicherung, wenn TCM-Behandlungen in Kinderwunschzentren und gynäkologischen Praxen als Teil des Therapiespektrums angeboten würden. Dies würde nicht nur die Akzeptanz der TCM in der westlichen Medizin erhöhen, sondern auch ihr Potenzial unterstreichen und möglicherweise dazu führen, dass entsprechende Leistungen von den Krankenkassen übernommen werden.

Die Therapie bei Kinderwunsch und gynäkologischen Erkrankungen ist genauso anspruchsvoll wie befriedigend im Falle eines Erfolgs.